Anklageschrift erhalten

Kanzlei Louis & Michaelis – bundesweite Strafverteidigung

Sie haben durch das Gericht eine Anklageschrift erhalten?

Sie haben eine Anklageschrift erhalten. Mit der Zustellung der Anklageschrift durch das zuständige Gericht haben Sie damit zu rechnen, dass Sie in der nächsten Zeit eine Ladung zur Hauptverhandlung erhalten und sich dort als Angeklagter verantworten müssen.

In diesem Fall sollten Sie umgehend mit mir Kontakt aufnehmen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Sie haben in der Regel eine Woche Zeit, um sich gegen die Eröffnung des Hauptverfahrens zu Wehr zu setzen: Zeugen und Beweismittel zu benennen und die Anklage zu prüfen.

Ich werde sofort Akteneinsicht beantragen und etwaig erforderliche Anträge stellen. Gegebenenfalls werde ich beantragen, dass die Anklage nicht zugelassen wird. Damit endet das Verfahren in diesem Verfahrensabschnitt. Dazu unten mehr.

Mit der Zustellung der Anklage kann folgendes vom Gericht bestimmt werden:

„Ihnen soll ein Pflichtverteidiger beigeordnet werden. Sie können binnen einer Woche einen – Essener – Anwalt Ihrer Wahl benennen. Anderenfalls wird das Gericht von Amts wegen Ihnen einen Pflichtverteidiger beiordnen.“

Dann sollten Sie sich mit mir in Verbindung setzen, wenn ich vertrete regelmäßig Mandanten vor Amts- und Landgerichten Essen im Ruhrgebiet und auch Bundesweit als Pflichtverteidiger.
Die Frage, ob Sie mich als Pflichtverteidiger „beiordnen“ lassen können, erfragen Sie einfach telefonisch bei mir und ich leite bei Bedarf einen Antrag an das zuständige Gericht weiter. Ein Anruf aus dem deutsche Festnetz 0201 – 310 460 – 0 ist Ihr Einsatz.

Kanzlei Louis & Michaelis Rechtsanwälte und Strafverteidiger Anklageschrift erhalten

Kanzlei Louis & Michaelis Rechtsanwälte und Strafverteidiger Anklageschrift erhalten

Was kann der Strafverteidiger gegen eine Anklageschrift und den Eröffnungsbeschluss machen?

Ich überprüfe, ob diese Mängel aufweist, denn die Form und der Inhalt der Anklageschrift und des Eröffnungsbeschlusses müssen korrekt sein. So kann unter Umständen eine Einstellung des Verfahrens erwirkt werden.

Insbesondere will ich einen immer wiederkehrenden Fehler in Anklageschriften hervorheben. Die Tat als solches muss in der Anklage hinreichend „konkretisiert“ werden.

Eine Anklage hat Ihren Sinn und Zweck darin, eine konkrete Tat, an einem konkreten Tag, bzw. in einem konkreten Zeitraum, festzuhalten. Die gesetzlichen Merkmale, welche für eine Vielzahl von Fällen gelten sollen, sollten nunmehr auf die Ihnen vorgeworfene Tat (Sachverhalt) ausgelegt werden. Der Sachverhalt soll demnach in den konkreten Paragraphen „gepresst“ werden. Gelingt dies nicht, dann ist die Anklage meist fehlerhaft.

Hier zeigt sich deutlich, dass Strafverteidigung einen Blick für das Detail bedeutet. Jedes Schriftstück des Mandanten muss mit Sorgfalt überprüft werden.

Ist überhaupt ein Strafantrag gestellt worden und was ist wenn dieser zurückgezogen wurde?

Antragsdelikte bedürfen in der der Regel auch einen Strafantrag. Dies gilt z.B. für Beleidigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch usw.

Ist dieser Strafantrag formgerecht und fristgerecht gestellt worden? War die Person überhaupt berechtigt einen solchen Antrag zu stellen? Wie ist zu verfahren, wenn der Strafantrag sogar zurückgezogen wurde?

Sollte ich bei meiner Prüfung zu dem Schluss kommen, dass der Staatsanwaltschaft hier einen Fehler gemacht hat, dann könnte die Anklage hinfällig sein.

Strafklageverbrauch? Keine Doppelbestrafung Ihrer Person

Bei einer Anklage werde ich auch prüfen, ob ein Strafklageverbrauch eingetreten ist.

Manche Sachverhalte haben viele Teilakte, aus welchen bereits eine Verurteilung erfolgt sein könnte. Sollten Sie wegen eines Teilakts verurteilt worden sein, oder dieser bereits eingestellt worden sein, dann könnte der Anklageanspruch des Staates bereits verbraucht sein.

Sind Sie überhaupt verhandlungsfähig?

Bei Krankheit und altersbedingten Gebrechen kann eine Verhandlungsfähigkeit ausgeschlossen sein. Dies gilt es im Einzelfall zu prüfen und sodann vorzutragen.

Die Folgen einer Verhandlungsunfähigkeit sind:

  • Vorläufige Einstellung des Verfahrens
  • Endgültige Einstellung des Verfahrens

Die alleinig körperliche und geistige Anwesenheit in einer Hauptverhandlung führt nicht automatisch zu einer Verhandlungsfähigkeit. Vielmehr muss der Angeklagte das Geschehen bei Gericht geistig aufnehmen, es gedanklich verarbeiten und sich sodann äußern bzw. handeln können bzw. dies dem Verteidiger antragen.

Beachten Sie jedoch, dass eine vorsätzlich herbeigeführte Verhandlungsunfähigkeit auch zur Folge haben kann, dass ohne Sie die Hauptverhandlung durchgeführt wird.

Keine Anklage, wenn die Straftat verjährt ist.

Verjährung führt dazu, dass eine Straftat auch nicht mehr angeklagt werden kann.

Folgende Verjährungsfristen gelten nach § 78 Strafgesetzbuch bei Straftaten:

(1) Die Verjährung schließt die Ahndung der Tat und die Anordnung von Maßnahmen (§ 11 Abs. 1 Nr. 8) aus. § 76a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 bleibt unberührt.

(2) Verbrechen nach § 211 (Mord) verjähren nicht.

(3) Soweit die Verfolgung verjährt, beträgt die Verjährungsfrist

1. dreißig Jahre bei Taten, die mit lebenslanger Freiheitsstrafe bedroht sind,

2. zwanzig Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als zehn Jahren bedroht sind,

3. zehn Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als fünf Jahren bis zu zehn Jahren bedroht sind,

4. fünf Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als einem Jahr bis zu fünf Jahren bedroht sind,

5. drei Jahre bei den übrigen Taten.

(4) Die Frist richtet sich nach der Strafdrohung des Gesetzes, dessen Tatbestand die Tat verwirklicht, ohne Rücksicht auf Schärfungen oder Milderungen, die nach den Vorschriften des Allgemeinen Teils oder für besonders schwere oder minder schwere Fälle vorgesehen sind.

Bekannt sind Gerichtsverhandlungen aus Gerichtsshows. Ist das in Wirklichkeit denn auch so?

Sie werden überrascht sein, dass die Gerichtssendungen im Fernsehen durchaus einen authentischen Einblick in den Gerichtsalltag geben.

Natürlich muss dabei berücksichtigt werden, dass der Grundsatz „Übertreibung veranschaulicht“ bei den Gerichtssendungen im TV gilt. Im wahren Leben wird kaum noch ein bis dato unbekannter Zeuge kurz vor Schluss der Beweisaufnahme aus dem Zuschauerraum aufspringen und dem Verfahren eine komplett neue Wendung geben.

Ein Strafverfahren ist spannend und zugleich unvorhersehbar. Schon aus diesem Grunde ist es unverantwortlich, ohne einen Rechtsbeistand zum Hauptverhandlungstermin zu erscheinen. Es darf nämlich nicht vergessen werden, dass es sich bei einem Strafverfahren um echte Menschen, um echte Sorgen und Existenzen geht. Das kann für den einen eine Geldstrafe sein und für den anderen eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Wie verhalte ich mich als Angeklagter vor Gericht?

Im Zweifel müssen Sie davon ausgehen, dass Sie nervös sein werden, da der Gang zur Hauptverhandlung eine Ausnahmesituation darstellt. Nervosität wird nicht als negativ gedeutet, sondern zeigt lediglich, dass Sie das Verfahren beeindruckt. Ein Effekt, den Richter durchaus schätzen.

Hüten Sie sich jedoch davor, betont kämpferisch oder arrogant vor Gericht aufzutreten. Auch wenn Sie sich unschuldig fühlen, wird Ihnen dieses Verhalten seitens des Gerichtes schnell als negativ ausgelegt werden. Es gibt Richter, welche Sie schnell zur Raison bringen werden.

Sachlichkeit und echte Emotionen zu verblenden, welche die Entscheidung eines Richters beeinflussen, sind lediglich Zufallsreaktionen von Angeklagten. Diese Synergie kann der Strafverteidiger jedoch zumindest in seinem Plädoyer herstellen.

Sie werden sich viel wohler fühlen, wenn Sie mit einem Strafverteidiger vor Gericht erscheinen. Der Strafverteidiger ist als Schutzschild für seinen Mandanten gedacht. Mit ihm werden Sie die Hauptverhandlung überstehen.